Make Routers Great Again
Ein Bann, der nichts kann
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Zum MAGA-Kult der gegenwärtigen US-Regierung gehört auch der Versuch, nationale Unternehmen zu fördern, indem ausländischen Anbietern das Leben schwer gemacht wird. Mit Zöllen, inhaltlich-politischen Restriktionen oder schlicht Verboten. Wie solche Verbote allerdings in Zeiten umfassender Globalisierung durchgesetzt werden sollen, ist fraglich – was der aktuelle Fall von »unamerikanischen Routern« zeigt.
Die Federal Communications Commission (FCC) veröffentlichte am 23. März eine Aktualisierung ihrer »Covered List«, a list of equipment and services that pose an unacceptable risk to national security or safety
(also etwa eine Liste von Geräten und Services, die ein nicht akzeptables Risiko für die nationale Sicherheit darstellen
). Neu aufgenommen wurden Foreign-Made Consumer Routers
, also Internet-Router, die nicht in den USA hergestellt wurden. Mit sofortiger Wirkung sollen keine neuen Router mehr für den Endverbraucher-Markt zugelassen werden, die nicht vollständig aus US-Produktion stammen.
Wait a minute – vollständig? Wie soll das denn gehen?
Eine Ankündigung, die massive Auswirkungen auf den Markt mit WLAN-Geräten und anderer Netzwerk-Hardware haben könnte, bei der aber auch niemand weiß, wie sie realistisch umsetzbar sein soll
, schrieb der österreichische Standard denn auch einen Tag nach der Ankündigung. Am selben Tag stieß auch heise ins gleiche Horn und schrieb: Ab sofort lassen die USA nur noch im Inland hergestellte Router für Verbraucher zu. Solche Modelle gibt es aber nicht.
So ein Router enthält nämlich eine ganze Reihe verschiedener Bauteile. Und viele von ihnen stammen von Zulieferern, die über den gesamten Globus verstreut sein können – oft aber in Asien beheimatet sind. Das Luxemburger Unternehmen Gcore listet auf einer Erklärseite zum Beispiel folgende Bestandteile auf: CPU, Read-only Memory (ROM), Random-Access Memory (RAM), Flash-Speicher und Ports, also Kabel- und Steckverbindungen.
Und woher die einzelnen Komponenten – also eben zum Beispiel CPU, ROM, RAM und Flash – stammen, wird oftmals nicht allzu transparent gemacht; Christian Kahle schrieb für WinFuture im Februar über eine Klage gegen den Netzwerkausrüster TP-Link, der seine Geräte mit dem Hinweis »Made in Vietnam« angeblich irreführend kennzeichnet, denn: In Vietnam findet im Wesentlichen nur die Endmontage statt, während die meisten Bauteile aus China stammen.
Und das ist natürlich nicht nur bei dem chinesischen Unternehmen TP-Link der Fall.
Der US-Konzern Cisco, der zu den großen Anbietern bei Routern und Switches gehört, nennt in seiner Lieferketten-Dokumentation beispielsweise Malaysia, Singapur, Taiwan, Vietnam und China als Zulieferer.
Und was ist mit anderen großen US-Herstellern, zum Beispiel Intel?
Schon im September 2022 schrieb Timo Daum im heise-Magazin Telepolis: Heute verfügen nur TSMC in Taiwan, Intel in den Vereinigten Staaten und Samsung in Südkorea über das Knowhow für die Produktion der fortschrittlichsten Chips.
Heißt also: Hochleistungschips produziert das Unternehmen selbst. Richtig?
Naja. Die Firma erklärt auf ihrer Website, sie produziere außerhalb der USA in Irland und Israel, und ja – je eine Testeinrichtung und eine Montageentwicklungsstätte
stehen in den USA, aber die restlichen Montage- und Teststandorte befinden sich außerhalb der Vereinigten Staaten
, nämlich in China, Costa Rica, Malaysia und Vietnam.
Broadcom Inc., ein anderer US-Chipgigant, produziert zwar einige seiner Halbleiter in den USA, lässt aber einen Großteil seiner Produkte von der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) fertigen; erst vor gut einer Woche beklagte das Unternehmen Engpässe seitens des taiwanesischen Zulieferers (wegen, surprise surprise, der rasant steigenden Nachfrage nach »KI«-Chips).
Und das sind nur die Hersteller der Speicherkomponenten. Die eigentlichen Router-Hersteller kaufen für ihre Geräte laut dem oben verlinkten Standard-Artikel typischerweise viele Komponenten aus anderen Ländern
ein, und zwar allen voran in China produzierte Chips.
Und auch in dem Punkt stimmt heise zu: Wir haben noch keine Routermodelle für Verbraucher gefunden, die in Stückzahlen komplett in den USA hergestellt werden.
Und schließlich ist da noch die Software. Wer sich ein bisschen mit Internet-Technologie auskennt, weiß, dass zahlreiche Programme aus dem Open-Source-Bereich eingesetzt werden. Nicht nur in Servern und großen Netzwerk-Knoten, sondern auch in den Geräten für den Hausgebrauch. Die Open-Source-Programmierer sind aber in den seltensten Fällen (wenn überhaupt jemals) alle in einem Land beheimatet. Das wiederum heißt, dass ein Router, selbst wenn er ausschließlich mit US-Hardware bestückt wäre, immer noch durch »unamerikanische« Software zum Laufen gebracht wird.
Fazit: Wenn Trump und die FCC sich tatsächlich durchsetzen wollten, würde das für die US-amerikanischen Routerproduzenten gigantische Umstellungen bedeuten und sie eher schwächen als stärken.
Ach, und was das »Argument« angeht, das als Grund für den (zukünftigen; schon im Handel oder im Einsatz befindliche Geräte sind ausgenommen) Bann ausländischer Router genannt wird: Im Ausland hergestellte Router waren unmittelbar an den Cyberangriffen
, zitiert der oben verlinkte Standard-Artikel die FCC. Aber unklar bleibt, Volt
, Flax
und Salt Typhoon
beteiligt, die auf kritische amerikanische Infrastrukturen in den Bereichen Kommunikation, Energie, Verkehr und Wasserversorgung abzieltenwieso in den USA hergestellte Geräte per se sicherer sein sollten. Immerhin ist es oft nicht eine gezielte Unterwanderung sondern die schleißige Wartung der Software oder fundamentale Probleme, die von Hackern für ihrer Angriffe verwendet werden. So war es etwa auch bei den von der FCC erwähnten Attacken gegen die US-Infrastruktur.
Ab und zu die Firmware updaten ist halt auch eine ganz gute Idee.





